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„Inklusion ist Kommunismus für die Schule!“

Montag, 9.Juli 2012 von Jusos MV

Bildung

Inklusion ist Kommunismus für die Schule!“, leitet Bildungsminister Mathias Brodkorb den Kongress Inklusion ein. Es ist einer der ersten richtig heißen Tage in diesem Jahr. Dennoch platzt das Audi Max der Uni Rostock an diesem Samstag, den 5. Mai, aus allen Nähten. LehrerInnen, Eltern und Interessierte drängen sich in den großen Hörsaal.

Am Anfang war der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD in dem festgehalten wurde, dass die Regierung gemeinsam mit dem Landtag ein Konzept zur Integration und Inklusion bis 2020 erarbeiten soll. Damit möchte MeckPomm die Umsetzung der 2009 ratifizierten UN-Behindertenrechtskonvention einleiten. Sie spricht grob verkürzt jedem Kind mit Behinderung egal welcher Art das Recht auf Bildung im Regelschulsystem zu. Eigens für dieses schwierige Feld hat Mathias eine Expertenkommission(siehe Infokasten) aus AkademikerInnen und SchulleiterInnen einberufen, die das Inklusionskonzept vorschlagen soll. Einmal im Quartal fasst die Kommission ihre Arbeitsergebnisse zusammen und stellt sie auf einem Kongress offen zur Diskussion.

Der Einladung des Bildungsministeriums und der Kommission in diesem Frühling waren über 500 Interessierte gefolgt. Gleich die erste Ansprache des Ministers unter der Überschrift „Warum Inklusion unmöglich ist.“ lässt Spannung aufkommen. Nur eine gezielte Provokation? Nein, der Titel hält was er verspricht. Dieser erste Kongress sollte die Begriffe und die Folgen von Integration und Inklusion grundsätzlich abzustecken. Und so wird grundsätzlich die Machbarkeit einer radikalen Inklusion in M-V in dem Vortrag von Mathias ausgeschlossen. Denn ein Bildungswesen, dass frei nach dem marxschen Grundsatz jede/n nach seinen/ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen behandeln würde, wäre „Kommunismus für die Schule“, so Mathias. Auch die Expertenkommission ist sich einig, dass sie einen „weiten“ Inklusionsbegriff vertreten möchte, der der Bildungstradition und den bisherigen integrativen Bemühungen in M-V gerecht wird. In dem folgenden Vortrag der Vorsitzenden der Expertenkommission Frau Katja Koch wird klar, die Begriffe von Integration und Inklusion(siehe Infokasten) werden synonym verwendet. Das Konzept zu Integration/Inklusion diene nicht dazu, Schule neu zu denken, sondern Kinder mit Förderbedarf darin zu unterstützen am Regelschulsystem teilzunehmen.

Unruhe macht sich breit. Die meisten Redebeiträge von Seiten der LehrerInnen handeln von Missständen und Überforderung an Schulen. Sie wollen wissen, wie das Ministerium sie künftig unterstützen wird. Mathias antwortet kurz, denn man wolle heute grundsätzlich diskutieren. 1,6 Mio. Euro seien nun jährlich für Lehrerfortbildung eingeplant. Bei Förderstunden müsse man sehen, ob sie auch tatsächlich zur Förderung oder zur Abfederung von Unterrichtsausfall eingesetzt würden.

Nach der hitzigen Debatte zwischen dem Inklusionsbefürworter Hans Wocken und dem konservativen Egon Flaig folgten einzelne Diskussionsforen, auf die sich die TeilnehmerInnen aufteilten. In einem Forum stellte die Expertenkommission eine Bestandsaufnahme bisheriger Integrativ-Maßnahmen vor und gab bereits erste Empfehlungen, wie weiter vorgegangen werden könnte. Dringender Bedarf bestehe bei der Sicherstellung der individuellen Förderung im Bereich von der 5 – 10. Klasse. Denn die im Schuljahr 2010/2011 an Regelschulen integrierten SchülerInnen mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache und emotionale Entwicklung kämen mittelfristig in diesen Sekundarbereich I. Ebenso müssten Sonderschulen nun auch landesweit verstärkt zu Kompetenzzentren entwickelt werden, die den Regelschulen bei der Integration behilflich sein sollen. Eine Lehrerin fragte nach, was mit den Geldern passiere, die durch den Wegfall von SonderpädagogInnen frei würden. Ein Teil fließe natürlich in die individuelle Förderung. Aber was ist mit dem Rest? Wir werden dran bleiben!

Der Inklusionskongress schloss mit einem kräftigen Schub an Kaffee und Kuchen. Das nächste Mal wird die Expertenkommission weitere Ergebnisse im Herbst vorstellen. Wir sind gespannt.

Für weitere Diskussionen und Infos rund um das Thema „Inklusion“ seid ihr natürlich wieder alle herzlich zum nächsten Treffen des Landesarbeitskreises Bildung eingeladen.

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